Was tun wenn’s kracht? Unfall und Krankheit in der Ferne

Vor den ersten großen Reisen oder längeren Aufenthalten in der Ferne beschäftigt man sich viel mit Themen wie Sicherheit, Visa, Impfungen, Auslandskrankenversicherung oder Ähnlichem. Wir haben bemerkt, je länger oder öfter man unterwegs ist, umso mehr verlieren diese ‚Sorgen’ an Bedeutung. Dennoch ist es erforderlich, zumindest ein paar wichtige Vorsorgen zu treffen, um sich vor bösen Überraschungen zu schützen. Es folgen zwei Erfahrungsberichte aus erster Hand:

Das blöde Knie (Eva)

Lockere Bänder, eine wackelige Kniescheibe und ein kaputter Knorpel begleiten mein Knie schon länger. Anfang Juni hat das Ganze dann einmal nachgegeben, ich bin blöd hingefallen und patsch – schon ist ein Teil des  Tibiakopfs zertrümmert.

Was tun wenn’s kracht?

Der erste Weg führt auf jeden Fall in ein Krankenhaus, um Versicherung usw. kann man sich auch später kümmern. Die Gesundheit steht an erster Stelle und außerdem ist die Erstversorgung meist nicht so teuer wie man denkt. Erfährt man, dass eine Operation notwendig ist, steht die Entscheidung an, sie entweder in der Ferne oder zuhause durchführen zu lassen. Dabei sollte man auf den Rat der ÄrztInnen, Freunde und Familie und auf das Bauchgefühl hören. Ein weiter Transport ist oftmals für die Verletzung nicht das beste, andererseits fühlt man sich vielleicht gerade in dieser Situation ‚zu Hause’ am besten aufgehoben. Das hängt alles vom Grad der Verletzung, vom Ort, wo der Unfall passiert ist und natürlich auch ein wenig von der Versicherung ab. Manche Unfall- oder Reiseversicherungen bezahlen nur den Heimtransport oder nur die Behandlung im Ausland. In weiterer Folge stellen wir einige Möglichkeiten vor.

Auslandskrankenversicherung Röntgenbild

Evas Knie nach der OP

In meinem Fall konnte ich mir aussuchen wo ich die Operation machen lassen will. Ich hab mich für ein Krankenhaus in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas entschieden – ganz einfach aus dem Grund, weil dort mein Lebensmittelpunkt war und ich mir die lange Heimreise mit dem Riesengips auch nicht vorstellen konnte. Es ist alles ohne Komplikationen verlaufen und die ÄrztInnen in Nicaragua haben großartige Arbeit geleistet.

Exotische Krankheiten (Robert)

Vor ein paar Jahren habe ich mich in Indonesien mit Malaria infiziert, wobei die Krankheit erst in Shanghai (meinem damaligen Wohnort) ausbrach. Obwohl die Symptome recht eindeutig waren und ich sowohl Lariam als auch Malarone, die beiden wohl bekanntesten Malariamedikamente, in meiner Apotheke hatte, entschloss ich mich sicherheitshalber zu einer genaueren Untersuchung in einem Krankenhaus.

Was tun wenn man krank wird?

Zimmer in einem Privatkrankenhaus in Managua

Zimmer mit Gästebett in einem Privatkrankenhaus in Managua

Ob mit oder ohne (Reise-) Versicherung, wenn man der lokalen Sprache nicht mächtig ist, stellen private, teilweise internationalen Ketten angehörige Krankenhäuser die einzige Option dar. Medizinische Leistungen werden in diesen Krankenhäusern wie andere Waren und Dienstleistungen abgerechnet: in Cash, am besten in US Dollar. Dafür sprechen die ÄrztInnen Englisch, die Ausstattung ist (sehr) gut und die Betreuung gleicht eher einem Wellness-Retreat als einem Krankenhausaufenthalt.

Ich war damals über meinen chinesischen Arbeitgeber in China versichert; die Versicherung sah eine Kostenübernahme lediglich in öffentlichen, nicht aber privaten Krankenhäusern vor. Ich hatte zu der Zeit keine Unfalls- und Krankenversicherung in der EU, war aber Mitglied des österreichischen Alpenvereins und besaß eine VISA-Karte. Beides, so glaubte ich mich zu erinnern, geht mit irgendeiner Versicherung einher.

Ich beschloss daraufhin nur eine Erstuntersuchung inklusive Bluttest durchführen zu lassen und mich mit meinen Malariamedikamenten zuhause selbst zu behandeln. Da beide Versicherungen (Alpenverein, VISA) trotz direkter Nachfrage sich als nicht zuständig erklärten, musste ich die Behandlungskosten in der Höhe von 150 Euro selber bezahlen. Meine Selbstbehandlung verlief erfolgreich und eine Woche nach dem ersten Fieberschub war ich wieder an meinem Arbeitsplatz.

Welche Auslandskrankenversicherungen gibt es?

Vorab: ALLE Versicherungen müssen vor der Abreise, also noch im Heimatland, abgeschlossen werden!!!

Mit folgenden Versicherungsmöglichkeiten haben wir schon Erfahrungen gemacht:

1.) Österreichischer Alpenverein (AV) & Deutscher Alpenverein (DAV)

Die Mitgliedschaft beim österreichischen Alpenverein inkludiert einen Versicherungsschutz bei Unfällen und Krankheiten im Ausland. Es sind allerdings nur die ersten 6 Wochen einer Reise versichert!

Die Basisversicherung des deutschen Alpenvereins beinhaltet nur einen Versicherungsschutz bei Unfällen während alpinistischer Aktivitäten! Der DAV bietet allerdings Zusatzversicherungen an:

  • Die DAV Reise-, Sport- und Freizeitschutz (nur für Mitglieder mit einem ständigen Wohnsitz in Deutschland) ist im Ausland die ersten 60 Tage gültig und beinhaltet eine Auslandsreisekrankenversicherung, eine Bergungskosten-Versicherung sowie eine Unfall-Versicherung.
  • Die DAV Auslandsreisekrankenversicherung (für DAV-Mitglieder mit ständigem Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz) ist für beliebig viele Urlaubsreisen bis zu 42 Tage gültig.

Der österreichische Alpenverein bietet leider keine vergleichbaren Zusatzversicherungen an.

2) Kreditkarten

Die Kreditkartenorganisationen VISA und MasterCard bieten ebenfalls Reiseversicherungen an. Der recht breite Versicherungsschutz (Reise-, Unfall-, Krankenversicherung) ist ABER nur die ersten 90 Tage einer Auslandsreise gültig!

3) HanseMerkur und andere Versicherungsgesellschaften

Die HanseMerkur bietet für unterschiedlichste Auslandsaufenthalte, von Schiffsreisen, Last Minute Reisen bis zu Au Pair Aufenthalten, passende Versicherungen an. Speziell für angehende Volunteers und Langzeitreisende gibt es die Langzeit-Auslandskrankenversicherung (*Affiliate-Link). Dabei werden sowohl bei Krankheiten als auch bei Unfällen die Kosten übernommen (maximaler Selbstbehalt 25 Euro). Die Versicherung kann entweder mit einer maximalen Laufzeit von 365 Tagen oder bis zu 5 Jahren abgeschlossen werden. Bei der ersten Variante erfolgt die Prämienberechnung tageweise, im zweiten Fall wird monatlich bezahlt. Viele Versicherungsgesellschaften haben mittlerweile auch Angebote für Langezeitreisende, hier gilt es die Preise zu vergleichen und zu überlegen was man wirklich braucht.

4) Natur Freunde

Als Mitglied bei den Natur Freunden kann man eine kostengünstige Zusatzversicherung abschließen. Die Deckung des Rücktransports ist zwar auch nur 90 Tage gegeben, aber eine stationäre Versorgung vorort ist zeitlich NICHT limitiert und weltweit gültig.

Fazit

Bei längeren Auslandsaufenthalten (+90 Tage – Ende des VISA/MasterCard-Versicherungsschutzes) sollte man UNBEDINGT über eine Langzeit-Auslandsversicherung nachdenken!

Welche Erfahrungen habt ihr mit Unfällen und Krankheiten im Ausland gemacht? Rein mit euren Berichten in die Kommentare!

tiefer…länger…nachhaltiger

Von |2017-05-09T18:35:26+00:0002/12/2014|

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