Ein Notfall im Ausland bedeutet für viele Menschen ein Worst-Case Szenario. Lange hat man sich auf die Reise, den Freiwilligeneinsatz oder den Urlaub gefreut, und dann geht etwas schief… Natürlich kann auch zuhause viel passieren und zu viel Angst lähmt nur, dennoch kann man mit ein paar Vorkehrungen und dem ‚richtigen’ Verhalten vielleicht Schlimmeres verhindern. Ein Richtig oder Falsch gibt’s hier natürlich nicht – wir haben euch trotzdem ein paar Anregungen zusammengestellt und hoffen, dass ihr sie niemals braucht.

Also los geht’s mit den Worst-Case Szenarien.

1) Ein gesundheitlicher Notfall im Ausland

Angst oder zumindest Respekt vor einem gesundheitlichen Notfall im Ausland erleben wir oft. Oft lauten die ersten Fragen zur Reisevorbereitung, welche Reiseversicherungen, Impfungen, Reiseapotheke etc. benötigt werden. In diesem Blogpost haben wir euch wichtige Punkte zur Reisevorbereitung zusammengefasst. Jede und jeder Reisende muss selbst abschätzen, wo der goldene Mittelweg zwischen zu viel und zu wenig Vorsorge liegt, die Entscheidung ist sehr individuell.

Was kann man also tun, wenn der Notfall im Ausland eintritt:

Unfall oder Verletzung

Auslandskrankenversicherung Krankenhaus Managua

Zimmer in einem Privatkrankenhaus in Managua

Wenn die Verletzung schwerwiegend ist, sollte der erste Weg zu einem lokalen Arzt oder ins Krankenhaus führen, um die Versicherung und Finanzielles kann man sich auch später kümmern. Bei schlimmen Verletzungen, die eine Operation erfordern, steht die Entscheidung an, diese entweder in der Ferne oder zuhause durchführen zu lassen. Dabei sollte man auf den Rat der ÄrztInnen, FreundInnen und Familie sowie auf das Bauchgefühl hören. Ein weiter Transport ist oftmals für die Verletzung nicht das Beste, andererseits fühlt man sich vielleicht gerade in dieser Situation „zuhause“ am wohlsten. Das hängt alles vom Grad der Verletzung, vom Ort, an dem der Unfall passiert ist und natürlich auch ein wenig von der Versicherung ab. Über unsere eigenen Erfahrungen berichten wir in diesem Blogpost. Manche Unfall- oder Reiseversicherungen bezahlen nur den Heimtransport oder nur die Behandlung im Ausland. Bei Unfällen mit Fremdverschuldung sollte man nicht vergessen, eine Anzeige zu erstatten.

Krankheit im Ausland

Der Zeitpunkt, an dem man zur ÄrztIn oder ins Krankenhaus geht, sollte gleich wie zuhause sein. Wer im Heimatland nach zwei Tagen Bauchschmerzen nicht zur ÄrztIn geht, braucht das auf Reisen auch nicht zu tun. Mehrere Tage Fieber, Dehydrierung, noch nie zuvor gesehene Hautausschläge oder gar hochgiftige Insektenstiche sollten jedoch so schnell wie möglich vom Profi behandelt werden. Bei manchen tropischen Krankheiten zählt jede Stunde! Ob mit oder ohne (Reise-) Versicherung, wenn man der lokalen Sprache nicht mächtig ist, stellen private, teilweise internationalen Ketten angehörige Krankenhäuser oft die einzige Option dar. Die Behandlung wird meist sofort in Rechnung gestellt, den Betrag kann man von der Versicherung (sofern abgedeckt) im Nachhinein zurückfordern.

Was kann man bei materiellen ‚Notfällen’ im Ausland tun?

Weitere Notfälle, die eintreten können, sind oft materieller Art. Es gilt, Ruhe zu bewahren und sich zu überlegen, ob es sich wirklich um einen ‚Notfall’ handelt oder, ob die Sache bei genauerer Betrachtung gar nicht so schlimm ist. Im digitalen Zeitalter wiegt beispielsweise ein Diebstahl eines elektronischen Geräts nicht so schwer, wie die möglicherweise verloren gegangenen Daten. Also backup, backup, backup! Das kann eine vermeintliche Katastrophe in eine kleine Unannehmlichkeit verwandeln.

Tasche packen2) Diebstahl oder Verlust von elektronischen Geräten

Im Grunde sind unterwegs die selben Maßnahmen zu ergreifen, die man auch zuhause tätigen würde. Wenn elektronische Geräte abhanden kommen, hängt der nächste Schritt davon ab, ob und wie das Gerät gegen fremde Zugriffe geschützt ist. Wichtig ist ein Passwortschutz an den Geräten, evtl. eine GPS-Suchfunktion, ein regelmäßiges backup der Daten und ein sicherer Aufenthaltsort für diverse Passwörter und Zugriffsdaten. Mit einer zusätzlichen Diebstahlversicherung erhält man den aktuellen Wert des Gerätes zurückerstattet. Wenn das Telefon oder der Computer nicht passwortgeschützt sind, sollte man schnell handeln und sämtliche Passwörter ändern.

3) Diebstahl oder Verlust der Bankkarte

Kredit- und Bankkarten können relativ unkompliziert bei der Bank gesperrt werden und ein Notfallgroschen kann via eines Geldtransfer-Anbieters gesendet werden. Wenn die Notfall-Nummer der Bank bereits im Telefonbuch gespeichert ist, spart man sich hektisches Suchen. Generell braucht keine Panik aufzukommen, wenn die Kreditkarte verschwunden ist. Mittlerweile müsste man ein echter Profi sein, um mit einer gestohlenen Kreditkarte etwas anzufangen. Wir erleben oft genug, gerade bei selbst veranlassten Transaktionen im Ausland, wie oft wir uns ‚verifizieren‘ müssen. Natürlich ist es hilfreich, wenn man für die Weiterreise eine zweite Kreditkarte oder Bankkarte zur Verfügung hat. Dies gilt umso mehr, wenn man alleine reist. Je nach Bank kann man sich möglicherweise eine neue Karte ins Ausland schicken lassen. Idealerweise informiert man sich aber vor der Abreise bei der Hausbank, welche Möglichkeiten man im Notfall hat.

4) Diebstahl oder Verlust des Reisedokumentes

Visum Volunteering ReisevorbereitungDas ist wirklich eines der Worst-Case Szenarien im materiellen Bereich. Der Hut brennt, wenn der Reisepass verschwindet. Der erste Weg sollte dann zu einer Botschaft oder einem Konsulat führen, wo man sich einen Ersatzpass ausstellen lassen kann. Ohne gültiges Reisedokument kann man bei Polizeikontrollen in vielen Ländern große Probleme bekommen. Weiters kann auch das Einchecken in Hotels problematisch sein und eine Ausreise ist meist gar nicht möglich. Sprich: Das wichtigste Reiseutensil ist der Reisepass!

ACHTUNG: Wenn ein Diebstahl geschehen ist, empfehlen wir, diesen bei der nächsten Polizeistation zur Anzeige zu bringen, da die meisten Versicherungen/Ämter die Anzeigebestätigung verlangen!

5) Probleme mit der Polizei

Zu schnell gefahren oder einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort – schnell kann es zu Problemen mit der Polizei kommen. Egal, ob man sich ungerecht behandelt fühlt oder sich ärgert, es gilt Ruhe und Fassung zu bewahren. Dieses Gesetz gilt global im Umgang mit Uniformierten. Man unterliegt als Reisende der Gesetzgebung der Destination, nicht des Heimatlandes. D.h., was zuhause straffrei sein mag, kann in manchen Ländern hohe Strafen nach sich ziehen. Der Level an Korruption ist global ebenfalls sehr unterschiedlich. Während in manchen Ländern ein kleines Schmiergeld Wunder bewirkt, könnte es in anderen Ländern fatale Folgen haben. Auf jeden Fall sollte man NIEMALS von sich aus Schmiergeld anbieten. Wenn aber von den BeamtInnen eine Summe genannt wird, muss man sich individuell überlegen, ob man gewillt ist, diese „Gebühr“ zu bezahlen, um seine Freiheit wiederzuerlangen. Wichtig ist zu bedenken, dass man mit jedem bezahlten Schmiergeld ein korruptes System unterstützt. Viele PolizistInnen nutzen diese Gebühren als Einnahmequellen, da die offizielle Bezahlung oft sehr schlecht ist. Wie man reagiert, sollte der Situation angemessen sein und wenn alle Stricke reißen, gilt es so schnell wie möglich die Auslandsvertretung und eine Kontaktperson im Land oder zuhause über die Situation zu informieren.

6) Überfall oder Raub

Gefahr Notfall im AuslandEgal ob man mit oder ohne Waffe bedroht wird – der Schutz von Leib und Leben geht immer vor! Wenn die Wertgegenstände eingefordert werden, gibt man am besten alles her was man hat und bringt sich so nicht weiter in Gefahr. Bei Raubüberfällen gilt es ruhig zu bleiben und den Anweisungen der Kriminellen Folge zu leisten. In wirklich brenzligen Situationen (Vergewaltigung, Entführung oder Ähnliches) ist jedoch lautstark um Hilfe zu rufen und sich so gut wie möglich zur Wehr zu setzen vielleicht die einzige Möglichkeit. Es gibt auch Alarmsysteme, oder Waffen wie Pfefferspray, etc., die man mit sich tragen kann – ob man sich damit wohl fühlt, ist wieder eine sehr individuelle Sache. Sich das Gesicht, Kleidung und Körperbau der TäterIn einzuprägen, macht auf jeden Fall Sinn, damit man bei einer Anzeige eine Personenbeschreibung abgeben kann.

7) Betrug

Auch die erfahrenste Reisende ist nicht davor geschützt, abgezockt oder betrogen zu werden. Online-Reiseportale können vermeintliche Schnäppchen mit versteckten Kosten zum teuren Spaß mutieren lassen, TaxifahrerInnen können in die falsche Gegend fahren und am Ende horrende Summen verlangen. In Geschäften kann man gefälschte oder defekte Ware kaufen und auf Restaurantrechnungen können nicht konsumierte Getränke und Speisen aufscheinen. Dies geschieht auf der ganzen Welt, manchmal mit Absicht, manchmal aus Versehen. Man tritt mit der DienstleisterIn in ein Geschäftsverhältnis und hat natürlich die Möglichkeit, als KundIn seinen Unmut kund zu tun. Mit digitalen Kommunikationsmitteln kann man sich schützen: Beispielsweise weiß man vor Fahrtantritt, in welcher Richtung das Ziel liegt oder wie der Wechselkurs steht. Bei Gefahr kann man schnell ein Taxi oder die Polizei rufen. Man kann Bewertungen auf diversen Plattformen hinterlassen, reklamieren und andere Reisende informieren. Aber bedenkt, gefühlt überhöhte Preise stellen KEINEN Betrug dar. Übertriebenes Feilschen ist nicht nur unsympathisch, sondern auch meist unnötig.

Zum Abschluss geben wir euch noch ein paar Life Hacks für Notfälle mit auf den Weg

  • Pass, Kreditkarten, Bankkarten, Impfpass, Buchungsbestätigungen und die wichtigsten Dokumente einscannen und in einer Cloud speichern
  • Passwörter, Zugangsdaten, Kontaktdaten etc. ebenfalls in einer Cloud speichern (verschlüsseln nicht vergessen)
  • Regelmäßiges backup der Daten auf den elektronischen Geräten oder generell nur in der Cloud speichern
  • Notfallnummern der Destination (Rettung, Polizei, Feuerwehr, Assistance der Versicherung, etc.) im Telefon einspeichern
  • GPS-Suchfunktion der elektronischen Geräte aktivieren
  • FreundInnen und Familie regelmäßig darüber informieren, wo man sich befindet und was man vorhat
  • Lokale Simkarte oder Roaming – genug Datenguthaben um sich lokalisieren zu lassen

So, nun reicht es mit den Worst-Case Szenarien und möglichen Notfällen im Ausland. Wir hoffen sehr, dass ihr niemals einen der Tipps brauchen werdet. Haben wir ein Szenario vergessen? Ist euch schon einmal etwas schlimmes im Ausland passiert? Rein damit in die Kommentare!

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