Freiwilligenarbeit im Ausland – wer hilft wem? (Teil 1)

Mit guten Intentionen im Rucksack brechen wir auf in die Ferne, wir sind gut ausgebildet, optimistisch und wir wollen die Welt verändern. Wir sehen uns selbst als WeltbürgerInnen, wir interessieren uns für globale Zusammenhänge und wir suchen das Abenteuer. Wir sind auf der Suche nach einem Projekt das gerade auf uns gewartet hat, wir wollen als Volunteers, bzw. als Freiwillige im Ausland arbeiten um ‚einen Unterschied zu machen‘, wir wollen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und viele Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

Damit sind wir nicht alleine!

Freiwilligenarbeit im Ausland: der Volunteer Tourismus ist die am schnellsten wachsende Sparte des Alternativtourismus.

Das Gesetz des Marktes – Angebot und Nachfrage – setzt hier an. Auf der einen Seite stehen wir, mit unseren Plänen und unseren Erwartungshaltungen – auf der anderen Seite gibt es einen Markt, der diese Nachfrage befriedigen möchte. Außerdem gibt es zahlreiche Non-Profit Organisationen, Schulen und Universitäten, Einzelinitiativen, direkte Kontakte und natürlich religiöse Organisationen, die sich teilweise schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigen. All diese AkteurInnen werden sichtbar, wenn wir eine erste Recherche betreiben, uns auf die Suche nach einem Projekt machen. Google wird uns natürlich zuerst zu den professionellen Reiseanbietern mit dem größten Werbebudget leiten.

Nicht jede Organisation, nicht jedes Projekt ist angewiesen auf ehrenamtliche MitarbeiterInnen aus dem Ausland. Fachkräfte aus dem eigenen Land, mit der dementsprechenden Ausbildung werden oft dringender benötigt. Das kann natürlich zu Problemen führen – sowohl für die Volunteers als auch für die Gastgeberländer.

Also wer hilft hier wem?

Freiwilligenarbeit im Ausland KritikDiese Frage wird recht kontrovers diskutiert. Effizienz und Auswirkungen von Volunteer Programmen werden gemessen und erforscht – manche argumentieren, dass Volunteer Tourismus eine neue Form der Kolonialisierung darstellt, andere sehen großes Potenzial für die internationale Entwicklungszusammenarbeit.

Die Gefahren beim Volunteer Tourismus oder Freiwilligenarbeit im Ausland sind vielfältig:

  • Die profitorientierten Unternehmen sehen zuallererst den finanziellen Nutzen ihrer Programme, die Sorge um GastgeberInnen und Volunteers kommt an zweiter Stelle
  • Die Bedürfnisse der Volunteers (als zahlende KundInnen) werden stärker als die Bedürfnisse der GastgeberInnen berücksichtigt
  • Die Auswirkungen des Volunteer Tourismus auf eine Region werden nicht berücksichtigt
  • Programme werden entwickelt ohne die lokale Community miteinzubeziehen, ihre Rolle wird marginalisiert
  • Projektpartner wissen nicht genau, was von Volunteers zu erwarten ist, welche Skills sie haben und in welchen Bereichen sie eingesetzt werden können
  • Die Volunteers sind nicht ausgebildet für die Tätigkeitsbereiche, in denen sie eingesetzt werden
  • Die Volunteers sprechen die Sprache des Gastgeberlandes nicht, wurden nicht vorbereitet und verfügen über keine interkulturelle Kompetenz oder Sensibilität
  • Die Freiwilligen nehmen lokalen Fachkräften die Arbeitsstellen weg
  • Die Dauer der Volunteer Aufenthalte werden immer kürzer, die Erwartungen immer höher

Natürlich gibt es Organisationen, die diese Probleme zu vermeiden versuchen, anderen geht es wiederum nur darum, die guten Motive der Volunteers und den Bedarf der Gastgeber auszunutzen und selbst davon zu profitieren!

Was tun wir? Wir graben tiefer!

Wir glauben, dass Reisen und Freiwilligenarbeit im Ausland einen Beitrag für ein besseres gegenseitiges Verständnis leisten kann. Und wir können viel lernen: über uns, über die Welt und über globale Zusammenhänge. Deshalb lassen wir uns nicht von den oben genannten Problemen ernüchtern!

Die Lösung ist einfach: die Verantwortung liegt bei uns! Bei jedem einzelnen Volunteer!

Als angehender Volunteer heisst es zuerst, die eigene Motivation zu reflektieren, genau zu recherchieren und bewusst und eigenverantwortlich eine Wahl zu treffen.

Es liegt an uns, aus einem Volunteer Aufenthalt das Beste zu machen, viel zu lernen (schon vorab!), viele Kontakte zu knüpfen und keinen Schaden anzurichten. Wir müssen unsere Aktionen und ihre Auswirkungen kritisch hinterfragen – egal wie gut die Intention dahinter ist!

Als Volunteers oder Freiwillige im Ausland wollen wir ‚einen Unterschied machen‘ – wir beginnen damit, dass wir verantwortliche Volunteers sind – wir recherchieren und bilden uns und geben unsere Erfahrungen an andere zukünftige Volunteers weiter.

Hier sind die wichtigsten Artikel, die bei der Suche nach einem Projekt weiterhelfen können:

Die Antwort auf die Frage ‚wer hilft wem‘ ist also vorerst: Es hängt davon ab!

Der 2. Teil dieses Artikels widmet sich den positiven Auswirkungen des Volunteer Reisens.

Welche Erfahrungen wollt ihr mit uns teilen? Könnt ihr eine Vorgangsweise empfehlen? Wir freuen uns über Kommentare!

 

tiefer…länger…nachhaltiger

Von |2017-12-05T18:23:18+00:0016/01/2015|

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