Wie schnell zwei Jahre vergehen können… Wir haben gerade den Abschlussbericht für das von der Austrian Development Agency geförderte Projekt ’Plattform Volunteer Reisen’ fertiggestellt und halten es deshalb auch für angebracht, ein paar Einblicke in die Abwicklung eines derartigen Projektes zu geben.

Die ADA ist in Österreich die Agentur, welche öffentliche Mittel im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit verwaltet und an Projekte vergibt. Ungefähr 5% der Gelder, die das österreichische Außenministerium der Entwicklungszusammenarbeit zuordnet, fallen unter die Kategorie ‚Projekte‘ (2016).

mitmachenGenaue Daten und Zahlen kann man auf der Website der Agentur nachlesen. Dort sind auch die Projekte, die finanziell unterstützt werden, aufgelistet und mit einer Kurzbeschreibung versehen. Der Hintergrund dieser Förderungen ist es, die Zivilgesellschaft zu stärken. Gefördert werden einerseits Projekte im Ausland, also Entwicklungszusammenarbeit bzw. Entsendeorganisationen, die Fachkräfte ins Ausland vermitteln (ehemals EntwicklungshelferInnen genannt) und andererseits Projekte in Österreich, die entwicklungspolitische Bildung und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Hier zählen wir uns dazu.

Wie kommt man nun zu einer Förderung? Ähnlich wie in der Wissenschaft gibt es Ausschreibungen und Calls mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten und man kann einen Antrag auf Förderung eines Projektvorhabens einreichen. Klingt einfach? Nun ja, der Schein trügt. Jeder Projektantrag muss gewisse Qualitätskriterien beinhalten und gut durchdacht sein. Erstens hat die Qualität natürlich (auch) Einfluss darauf, ob ein Projekt gefördert wird, zweitens ist eine gute Planung für den Erfolg maßgeblich mitverantwortlich.

So steht zu Beginn eine Idee für ein Projekt und um diese greifbarer zu machen, heißt es, sich ein paar Fragen zu stellen:

  • Welche Ziele sollen erreicht werden?
  • Welche Ergebnisse will man in welcher Zeit vorweisen können?
  • Welche Aktivitäten sind dafür notwendig, wer führt diese Aktivitäten aus und was kostet das?

Die Ziele, die man erreichen möchte, sollen nicht nur realistisch sein, sondern auch messbar und greifbar. Die Zielgruppe soll bekannt und gut eingrenzbar sein. Wie will man Erfolge oder Misserfolge messen, wie kann man bei Problemen gegensteuern?

Spätestens bei diesen Fragen beginnt der Kopf zu qualmen und eine schwammige Projektidee kann sich entweder verflüssigen oder wird zu einem konkreten Fahrplan.

In unserem Fall war das Projektziel der ‚Plattform Volunteer Reisen’ Interessierten an Freiwilligenarbeit im Ausland Informationen bereit zu stellen.

Die drei konkreten Ziele des Projekts:

Ziel 1: Gut vorbereitete und kritisch reflektierende österreichische Volunteer Reisende. Menschen, die als Freiwillige vereisen, verfügen über ein umfangreiches Wissen über globale Zusammenhänge und ein gestärktes Bewusstseins für die durch den globalen Tourismus hervorgerufenen ökologischen, ökonomischen, sozialen und technologischen Chancen und Herausforderungen.

Training_DeeperTravel

Ziel 2: Vernetzung und Kooperation mit den wichtigsten AkteurInnen in Österreich, die im Bereich Globales Lernen für Reisende tätig sind (Bildungsinstitutionen, Entsendeorganisationen, Vereine).

Ziel 3: Vernetzung und Wissenstransfer zwischen ehemaligen und angehenden österreichischen Volunteer Reisenden.

Ob die Ziele erreicht wurden, wird dann je nachdem qualitativ oder quanitativ erhoben. In unserem Fall war die Erhebung der NutzerInnenzahlen auf der Website und denn Social Media Kanälen natürlich wichtig. Zusätzlich waren unsere Workshops und Veranstaltungen wichtige Parameter.

Unser Fazit – was haben wir erreicht?

Wir haben auf ein Informationsdefizit zeitgemäß reagiert, die Plattform erweitert und suchmaschinenoptimiert. Social Media Marketing und natürlich auch klassische Pressearbeit waren ein integraler Bestandteil des Projektes.

Ebook FAIRreisen

Alle unsere im Projektantrag formulierten Zielsetzungen haben wir erreicht. Die LeserInnenschaft der ‚Plattform Volunteer Reisen’ ist langsam aber stetig gewachsen. Freiwilligenarbeit im Ausland und zivilgesellschaftliches Engagement sind wichtiger denn je und DeeperTravel hat einen Beitrag dazu geleistet, ein Nischenthema öffentlich sichtbarer zu machen.

Ein anderes Ziel war es, zur Vernetzung der AkteurInnen beizutragen und die Sichtbarkeit von österreichischen Entsendeorganisationen und anderen NROs, die sich mit dem Thema befassen, online zu erhöhen. Dies wurde einerseits mit Publikationen (Interviews, Gastbeiträgen, Erfahrungsberichten) realisiert, andererseits durch Wissensvermittlung in Workshops zu den Themen Social Media und SEO für Nichtregierungs- und Entsendeorganisationen.

Besondere Meilensteine waren die Publikation ‚FAIRreisen statt verreisen – Nachhaltig unterwegs als Volunteer’, die Herausgabe eines Sonderheftes der Zeitschrift Sustainable Austria zum Thema ‚Volunteer-Reisen: Bildung durch Freiwilligenarbeit?‘ und die Erstellung der Broschüre ‚Faire Freiwilligenarbeit im Ausland – Kinderschutz im Reisegepäck’.

Was ist nicht so gut gelaufen?

– Bürokratie, Buchhaltung und Lohnverrechnung: Den hierfür notwendigen Aufwand, sowohl finanziell als auch zeitlich, haben wir eindeutig unterschätzt.

– Die Trennung von Infoplattform und Blog. Eine gewisse Selbstzensur hat stattgefunden und die Auswahl der Themen war eindeutig mehr im Sinne des Projektes ‚Plattform Volunteer Reisen‘ als DeeperTravel.

– Die ständige Änderungen der Algorythmen von Social Media Kanälen, vor allem Facebook, kann einem die Lust auf Social Media Marketing verderben.

Hinter all den Tätigkeiten steht der Verein DeeperTravel mit einer ständig wachsenden Mitgliederzahl. Wollt ihr mehr wissen oder euch bei DeeperTravel engagieren? Wir freuen uns über neue Mitglieder im Verein