Wir halten ja eigentlich nicht viel von ‚Bucket Lists’, aber das Thema ‚Bizarre Voluntourismus Angebote‘ bietet sich für eine kleine Auflistung an. Vorab, wir wollen keine schwarz/weiß Malerei betreiben und pauschale Vorverurteilungen anstellen! In der Facebook Gruppe: Negativ Volunteer Reviews und auf der Seite Better Volunteering werden immer wieder Warnungen vor bizarren Auswüchsen des Volunteer Tourismus Business ausgesprochen, von einigen Angeboten haben wir selbst noch nie etwas gehört – diese wollen wir euch nicht vorenthalten.

1) Kinder-Massage

Physiotherapien und Massagen können ein wirkungsvolles Mittel sein, um physische und psychische Verspannungen zu lösen. Wie diese Therapien auch für (traumatisierte) Kinder eingesetzt werden kann, sollte eine Sache von ÄrztInnen und TherapeutInnen bleiben und nicht in die Hände von AmateurInnen gelegt werden. Dennoch gibt es global einige Angebote, bei denen man ohne jegliche Ausbildung, oder nach einer kurzen Einführung in Massagetechniken kleine Kinder massieren darf. Warum man so etwas machen möchte, können wir nicht nachvollziehen, aber anscheinend gibt es auch hierfür Nachfrage, weshalb ein Angebot geschaffen wurde. Organisationen wie ‚Buds to Blossoms‘ werben damit. Erschreckend dabei ist, dass dies auch Pädophile anziehen könnte und auf Menschen- und Kinderrechte keinerlei Rücksicht genommen wird. Igitt!

2) Der viel gebaschte Waisenhaustourismus

Es erscheint immer einfach, sich ein schnelles Urteil zu bilden, ‚Waisenhaustourismus ist schlecht, kurze Volunteer Aufenthalte sind böse’ usw. So einfach ist es natürlich nicht. Traurig ist nur, dass, weil ein Großteil der angehenden Volunteers mit Kindern arbeiten möchte, hier ein nachfrageorientierter Markt geschaffen wurde.

Buchcover Das Gegenteil von GutDaniel Rössler hat ein Buch über das Geschäft mit illegalen Waisenhäusern geschrieben. JedeR, die vorhat in einem Waisenhaus zu arbeiten, sollte sich ganz genau überlegen warum. Es muss genug Zeit für die Vorbereitung und Recherche, sowie für den tatsächlichen Aufenthalt eingeplant werden. Illegale Waisenhäuser sind ein Problem. Doch es gibt auch Waisenhäuser, die zusätzliche Arbeitskräfte dringend benötigen und seriöse Entsendeorganisationen, die jahrelange Erfahrung vorweisen können – sie sind nur nicht so schnell und einfach (im Internet) zu finden. Vereine und NGOs im Heimatland können vielleicht Tipps bei der Suche geben und auch hier gibt es Anleitungen für die Suche nach einem passenden Projekt. Der Abschied nach einer Zeit im Waisenhaus kann für beide Seiten – für die Kinder und die Volunteers auch sehr belastend sein. Als Volunteer Reisende kann man mit dem Abschiedsschmerz vielleicht leichter umgehen als ein Kind im Waisenhaus – auch darauf sollte man sich vorbereiten.

3) Die Tier-Babys

Alles was klein und niedlich ist, scheint bevorzugt Hilfe verdient zu haben. Anders können wir uns nicht erklären, warum man Löwenbabys mit der Flasche aufziehen möchte. Wir waren selbst in Südafrika einmal in einer Art Zoo, wo es die Möglichkeit gab zahme Leoparden- und Löwenbabys aus nächster Nähe zu sehen oder sogar zu streicheln. Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Volunteering Angebote in diese Richtung sind vielseitig, geworben wird mit wilder Safari-Romantik, stereotypen Afrika Bildern und man engagiert sich vermeintlich im Tierschutz. In Wirklichkeit werden in vielen dieser Farmen die Wildtiere erst aufgezogen, um dann zahlenden GroßwildjägerInnen vor die Flinte zu jagen. Wer sich wirklich für dieses Thema interessiert, dem/der wäre vielleicht eine Ausbildung zur WildtierhüterIn nahegelegt.

 4) Reise ins Elend – der Katastrophen Tourismus

Nach einer Naturkatastrophe wird jede Hilfe benötigt. Allerdings sollte man auf keinen Fall überstürzt in eine betroffene Region reisen. Es gibt sehr gute internationale Organisationen in der Katastrophenhilfe, die jahrelange Erfahrung vorweisen können und (meist) in Kooperation mit den Regierungen zielgerichtet Hilfe leisten. Wer etwas tun will, kann bei der örtlichen Zweigstelle (zB Rotes Kreuz, Caritas, …) nachfragen, welche Hilfe benötigt wird und vielleicht zuerst einmal mit ehrenamtlicher Arbeit im Heimatland (Sammlung von Sach- oder Geldspenden) mehr erreichen.

5) Einmal LehrerIn spielen

FADCANIC_Big_Corn_IslandEs gibt global Ausbildungen für Lehrkräfte, welche sicherstellen, dass niemand völlig unqualifiziert im Klassenzimmer steht. Niemand würde hierzulande auf die Idee kommen, unqualifizierte Volunteers im Rahmen des Schulbetriebs unterrichten zu lassen. Es gibt viele andere Möglichkeiten (übrigens auch im Heimatland), beispielsweise Nachhilfe oder Nachmittagsbetreuung anzubieten, oder den Lehrkräften beizustehen. Die Rolle einer Volunteer Reisenden ist immer auch die eineR Lernenden. Ausgenommen sind natürlich Fachkräfte, leider ist der Austausch der Lehrenden global eher einseitig, sprich, von Nord nach Süd.

Zu guter Letzt ist die Entscheidung jedem selbst überlassen, wo, wie, wie lange und warum er oder sie sich gesellschaftlich und ehrenamtlich engagiert. ‚Es gibt nichts gutes – außer man tut es!‘ heisst es ja, doch davor sollte der Denkapparat angeworfen werden und der Wunsch zu helfen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Wir unterstützen den Prozess mit unserem Volunteer Coaching – schickt uns eine Nachricht für ein unverbindliches Erstgespräch!

Habt ihr eine andere Meinung dazu? Oder kennt ihr weitere bizarre Volunteer Tourismus Angebote, die hier nicht erwähnt wurden?

 

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