Sagst du ‚Nein zu Stereotypen‘? Denkst du, du bist frei von rassistischen und/oder neokolonialen Vorurteilen? Du bist weit und viel gereist, in fremde Kulturen eingetaucht, bist unterwegs freundlich und zuvorkommend. Du diskriminierst niemanden und du wünscht dir, dass die gleichen Rechte für alle gelten. An deinen Freiwilligeneinsatz gehst du gut vorbereitet heran, du beherrscht die Grundlagen der Sprache im Einsatzland, weißt über die historischen Hintergründe und kulturelle Dos und Dont’s Bescheid…

Doch die Stolperfallen lauern überall

Während sich der interkulturelle Austausch auf Reisen meist auf den Austausch von Waren, Dienstleistungen und Geld beschränkt, kommt man bei einem Freiwilligeneinsatz auch im alltäglichen Arbeitsumfeld zusammen. Bei Einsätzen in Bildungseinrichtungen noch zusätzlich mit neuen und vielleicht fremden Lehrmethoden. Eine gewisse Überforderung ist, wie vermutlich bei jedem neuen Job, vorprogrammiert. In diesem Beitrag versuche ich eine Kategorisierung der Stolperfallen und gebe ein paar Fragen zur Selbstreflektion mit.

Die Eurozentrismus-Falle – ich vergleiche also bin ich

Eine Welt

Um uns in einem neuen Umfeld besser zurecht zu finden, hilft es uns, Dinge zu vergleichen. Als Maßstab wird das Bekannte herangezogen, zum Beispiel die eigene Familie, die Erfahrungen in der Schule oder in der Arbeitsstelle. Doch warum sollte man davon ausgehen, dass die Herangehensweise in Mitteleuropa „besser“ als anderswo wäre, ein Vergleich sollte wertfrei geschehen.

Frage: Was kannst du bei einem Einsatz wirklich lernen und was kannst du danach im Alltag umsetzen?

Wer oder was ist hier fremd – das ICH und das ANDERE

Das so genannte Othering beschreibt einen internen Prozess, der uns dazu bringt eher auf Unterschiede als auf Gemeinsamkeiten zu achten. Das beginnt auf der persönlichen Ebene und setzt sich in allen Bereichen fort.

Frage: Kann man sich auch an einem Tisch mit SchulkollegInnen im Heimatland fremd fühlen, und wenn ja, warum?

Meins, meins, meins – Die große Angst vor dem Diebstahl oder der Abzocke

Finanzierung FreiwilligenarbeitNatürlich gibt es Orte, an denen es eine höhere Kriminalitätsrate gibt wie an anderen. Generell ist die Geldbörse in der Hosentasche in Ballungszentren auf der ganzen Welt nicht besonders sicher. Menschen die weniger besitzen als potenzielle Diebe vorzuverurteilen ist diskriminierend.

Frage: Würdest du einer Person die offensichtlich mehr als du besitzt, etwas klauen, wenn ja, warum?

Mein sensibler Magen – Die große Angst vor der Krankheit

Cook it – peel it – or leave it! Die meisten von uns hat es unterwegs schon einmal ‚erwischt’. Die meisten Magenverstimmungen sind harmlos und hängen oft auch mit der Veränderung der Gesamtsituation zusammen. Die Menschen an deinem Einsatzort haben auch einen Magen und würden von kontaminierten Eiswürfeln genauso krank werden wie du, also entspanne dich.

Frage: Hattest du in deinem Heimatland schon einmal einen ‚schlechten Magen’ und weißt du genau, was der Auslöser war?

Ihr Kinderlein kommet – Kinderaugen zum Lachen bringen

Erfahrungen_Freiwilligenarbeit_KinderschutzKinder, egal welcher Hautfarbe, sind entweder süß oder nervig, oder beides oder abwechselnd. Kinder sind auf gar keinen Fall Touristenattraktionen, oder besonders dankbar und anhänglich, weil sie eine dunklere Hautfarbe haben oder aus schlimmen Verhältnissen kommen. Wenn du „schon immer einmal etwas mit Kindern“ machen wolltest, dann beginne BITTE eine Ausbildung als Pädagogin oder Pädagoge. Alles andere ist neben rassistisch auch noch gefährlich und meist schädlich für diese Kinder.

Frage: Wie viele TouristInnen arbeiten in deinem Kindergarten/an deiner Schule im Heimatort? Keine? Warum ist das so?

Wer anderen einen Brunnen gräbt – Ich spiele mal den Entwicklungshelfer

Zu denken, ohne dementsprechende Ausbildung Infrastruktur, Bildung, Dienstleistungen oder was auch immer in ein Land des globalen Südens bringen zu können, ist ganz schön überheblich und neo-kolonialistisch. Kennst du die Brunnenbroschüre? Die AutorInnen setzen sich mit kolonialistischen Gedankengut und Rassismen in der Entwicklungszusammenarbeit kritisch auseinander. Das Heft trägt den Titel „Wer anderen einen Brunnen gräbt“.

Frage: Wie viel Anleitung benötigst du, um beispielsweise eine Mauer zu errichten? Denkst du, dass du einer Fachkraft eine große Hilfe sein kannst, oder ist es umgekehrt?

Unter Ressourcen findest du viele Literaturhinweise zum Thema. Im zweiten Teil dieses Blogposts werde ich einige Paradebeispiele von weißen RetterInnen vorstellen – stay tuned!

Was denkst du, hat Volunteer Reisen mit Rassismus zu tun? Gibt es noch weitere Stolperfallen?

 

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