Was hat Volunteer Reisen mit Stereotypen und mit Rassismus zu tun? Im ersten Teil über den weißen Retter haben wir uns ernsthaft mit dem Thema befasst. Im zweiten Teil der Serie Rassismus & Volunteering werde ich eine kleine (nicht allzu ernst gemeinte) Kategorisierung der weißen Retter* versuchen:

Der Pragmatische: Humanitarians of Tinder

Mit seinem humanistischen Ansatz sind Matches garantiert. Er zeigt mit seinem Tinder-Foto nicht nur sein tolles Aussehen, man erkennt auf den ersten Blick auch seine soziale Ader. (HoT ist übrigens dem Internet gestohlen).

Der Influencer/Instagrammer: Ayy big Spender

via GIPHY

Beim Influencer geht es nicht immer nur um Autos, Fluglinien, Fashion, irgendeinen Brand oder um IHN… nein, manchmal geht es um die ‚Cause’, er hat ein weiches Herz und spendet 10% des Betrages, den er dem Finanzamt schuldig wäre, wenn er denn Steuern zahlen würde, an ein (von ihm) auserwähltes Projekt.

Der Profi: Gestalter von Fundraising Kampagnen

Er weiß genau was zieht, seit den 1980ern setzt er auf Tod, Krankheit und Verderben. Die Menschen in seinen Videos oder aus seinen Plakaten leiden sichtbar und sie sollen aufrütteln. Vor allem sollen sie den Geldbeutel möglicher SpenderInnen öffnen, damit das Budget für die nächste Kampagne noch größer wird (eventuell geht sich danach eine kleine Safari aus).

Der Künstler: Wir brauchen mehr Songs für Afrika

„Do they know it’s Christmastime at all?“ fragen sich Bob Geldof und andere schon seit den 1980ern. Auf dieses Trittbrett des Grauens sind seither (zu) viele aufgesprungen, und haben Abermillionen verdient. Die Motive waren ganz sicher rein altruistisch.

Der Voluntourist und der Voluntourismus-Anbieter: Mach einen Unterschied!

Nur mal kurz die Welt retten und dazu in ein armes Land jetten. Mit der dicken Geldtasche bist auch du dabei und den Eintrag in den Lebenslauf gibt es gratis mit dazu. Los – buche noch heute dein Last Minute Angebot und hol dir 10% Rabatt!

Der bessere Volunteer: WIR sind die Guten

via GIPHY

Der bessere Volunteer hat viiiel mehr Zeit zur Verfügung, die Arbeit kann ja warten. Er engagiert sich ein ganzes volles Jahr im Ausland und wird sogar von einer richtigen Nichtregierungsorganisation (manchmal sogar einer kirchlichen!) entsendet. Mit stolz geschwellter Brust blickt er auf die Kurzzeit-Freiwilligen herab, denn einzig die Mission und die Länge zählt!

Der wandelnde erhobene Zeigefinger: Ich bilde also bin ich!

Der wandelnde erhobene Zeigefinger findet in jeder Publikation, und sei es nur ein Insta-Post, eine aufreibende politische Unkorrektheit, er wittert Schlechtmenschen 100 Meter gegen den Wind. Streng bis hin zur Selbstzensur geht er seiner Umgebung mit seinem Besserwissen gehörig auf die Nerven.

 

* Das generische Maskulinum ist totale Absicht und es darf sich jede Person angesprochen fühlen, oder auch nicht.

 

Haben wir jemanden vergessen – dann schick uns eine Brieftaube! Und du? Bekennst du dich auch schuldig?